[ad_1]

Zelle und Kindheit

Das Buch beginnt und schließt mit einem Ich-Erzähler und seinen Folterern.

Der Raum in dem er sich befindet ist kalt, verschlossen, vier x vier Meter. Das einzige Licht fällt anfangs durch ein kleines Fenster. Das reicht um Umrisse zu erkennen. Es gibt einen metallenen Stuhl und einen Tisch. Der Raum füllt sich mit dem Hass gegen den Stuhl und der Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Schicksal. Der Erzähler gibt in diesem Raum, der nach Vergangenheit riecht, alle seine Leben, das Erste und das Erschaffene auf.

Der Raum wird im letzten Kapitel wiederkehren und der Ich-Erzähler wird sich eine neue Identität außerhalb der Zelle wünschen. Das Licht an der Decke wird angeschaltet und er erkennt, dass der Krieg, dem er entfliehen wollte, fünfundzwanzig Jahre lang auf ihn gewartet hat. 

Sein Folterer, der Junge, dem er als Kind das Auge ausstach. 

Die Zelle erinnert den Erzähler, der sich die Identität „des verlorenen Sohns“ angeeignet, an seine Kindheit, den Stall, die Einöde. Sie erinnert ihn an den Baum, das Feuer und die Überreste des Baumes nach dem Brand. Sie erinnert ihn an den Prügelring und seine eigene Überlegenheit gegenüber den anderen Kindern und besonders dem Einäugigen gegenüber. Das Dorf, sein Dorf, liegt zwischen Bergen und „wer sich nicht auskennt geht verloren“. Für ihn gab es dort kein Glaube an Gott, nur den Glauben an die Lügen, die halfen zu überleben.

Es erinnerte ihn an das Haus, das neu gebaut werden musste, an seinen Vater, seine Mutter und seinen Bruder, die dort wohnten. Seine Mutter, die er vergessen hat.

Beide Räume, seine Kindheit und die Zelle verschmelzen zu einer für ihn unmissverständlichen Gewissheit, dass er dort sterben wird. 

Der Einäugige wird während des Romans immer wieder auftauchen wie eine sanfte Ermahnung, er soll nicht vergessen werden. Mit ihm die Erinnerung an die Kindheit, die dem Lesenden zu verstehen gibt, dass es Gründe gab die Heimat zu verlassen, dass es sie heute nicht mehr gibt, die Stadt, die Menschen.

Ein verblassendes Leben und ein Plastikstuhl

Die Wohnung, des Ich-Erzählers ist sporadisch eingerichtet, er verweigert sich jeglichen Komfort. Er versucht unauffällig zu leben. Auffällig ist, dass er sein Appartement haarklein beschreibt, seine Gründe warum er aus seiner Heimat fliehen musste zu diesem Zeitpunkt verschweigt. Wann, welche Information die Lesenden erreicht ist nicht arbiträr. Der Würfel wurde von der Autorin nicht einfach nur geworfen, sondern platziert. 

Der Arbeitsplatz des Ich-Erzählers wird durch den Filter seiner fortwährenden Gleichgültigkeit ebenfalls ausgemalt. Dieses Leben ist ihm nicht wichtig genug um es schön auszuschmücken, sein einziges Bestreben ist die Ruhe und das leise Überleben. 

Nur werden seine Gewohnheiten herausgefordert werden: In Form eines Kunststoffstuhls auf dem eine Frau sitzt. 

Frau Kaplans Orte

Es gibt ihre Wohnung und Polats Zimmer, eingerichtet von ihr. Das Wohnzimmer in dem immer der Fernseher läuft. Es gibt das Arbeitszimmer, das dem Warteraum einer Arztpraxis entspricht und einen Beamer. Es gibt den Friedhof in ihrer Erinnerung und den Friedhof an dem Frau Kaplan den Grabstein entfernen lässt. Es gibt das Skript Taxi in dem ihr Sohn zurückkehrt. In dem sie auf den leeren Sarg ihres Sohnes spuckt, in dem sie mit einer Waffe in die Luft schiesst, in dem ihr Sohn beim Euphrat aufwacht und einen Bären zähmt oder auch nicht. 

Es gibt zehn Jahre verlorene Zeit. Und Durst, der sie am Leben hält. 

Diese Überlappung von Wahrheiten gibt dem Roman eine Vielschichtigkeit und initiiert gleichermaßen Misstrauen bei den Lesenden, die sich entscheiden müssen, welcher Seite sie Glauben schenken.

Frau Batic’s Wohnung

Die Wohnung befindet sich im gleichen Wohnhaus, wie die von Frau Kaplan. Es gibt einen Flur an dem „Polat“ zurückkehren wird und an der Wand entlang zu Boden sinkt, neben seiner Mutter und Frau Batic. Eine Couch in der, der Sitzende einsinkt. Eine Küche, die nur gehört wird, weil Frau Batic, Tee zubereitet. Es ist der Ort an dem der Vergleich zur Familie Orloff, die ebenfalls ihren Sohn im Krieg verloren, hergestellt wird. Wo die Sinnlosigkeit und Zufälligkeit des Krieges, der den einen Sohn zurückkehren und einen anderen sterben lässt, deutlich wird.



[ad_2]

Source link

X