Katharina Schultens

untoter schwan: Gedichte

<strong>01</strong> Über das Buch

in einem februar, im winter vor einem frühjahr, in dem mein vater starb, vor einem sommer, in dem mein kind kam, ist mir ein schwan im haff festgefroren. jetzt schwimmt er im warmen kanal. kommt er an land, ist er clumsy, watschelt auf schwarzen füßen daher. diverse tierarten folgen ihm, es ist ein einziges gefiedertes desaster, eine monsterparade
– aber manchmal, manchmal sind es starlings, summende schwärme, manchmal fliegen sie von allein in formationen, eine murmuratio/n – und mein schwan dreht eine runde vor der brücke, schaut halb mordlustig und halb sehnsüchtig hinterdrein, als ob es drohnen wären und er hätte ihre fernsteuerung verschluckt.
ich atme sein wesen ein, wenn ich schreibe, ich atme es aus. ich bin ein chor, der sich einsingt, und ein raum, der hallt. ich bin unzählig und nicht vorhanden. ich spreche mit euch: ich bin mein monster und ihr seid seine variationen.
– Katharina Schultens

<strong>02</strong> Autor°in

Katharina Schultens, geboren 1980 in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Studium der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Literatur in Hildesheim, St. Louis und Bologna, seit 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2013 mit dem Leonce-und-Lena-Preis und 2015 mit dem Schweizer Spycher: Literaturpreis Leuk. Zuletzt erschienen der Lyrikband “gorgos portfolio”, kookbooks 2014, der Essay “Geld. Eine Abrechnung mit privaten Ressourcen”, Verlagshaus Berlin, Edition poeticon 2015, sowie “So oder so, an der Naht entlang. Zu Marina Zwetajewa”, Verlag Das Wunderhorn 2016.

<strong>03</strong> Biblio
Gedichte
80 Seiten, 2017
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