Wer ist eigentlich beim Ingeborg-Bachmann-Preis? Und was machen die Leute dort? Ein Team aus Hildesheimer Literaturstudierenden ist in den nächsten Tagen vor Ort und bloggt über das jährlich stattfindende Literaturevent.

Was wäre die Literatur ohne das Fahrrad. Ohne einen Drahtesel kommt man in Klagenfurt nicht weit. Luba Goldberg-Kuznetsova schreibt darüber Texte, wie sie „extra für diese Reise Fahrrad fahren lernt“. Die ersten Reifen sind gewechselt, die ersten kleinen Unfälle hat sie hinter sich. Der Artikel der Studentin bildet den Auftakt für den „Klagenfurt Report“, eine Serie von Texten, Fotos und Videoformaten, die auf dem Blog des Suhrkamp-Verlags erscheint.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist sehr bekannt, „bekannt in gewissen Kreisen“, sagt Luba Goldberg-Kuznetsova und spielt damit auf den Literaturbetrieb an. Sie studiert an der Universität Hildesheim „Literarisches Schreiben“ und fährt gemeinsam mit acht weiteren Studierenden nach Klagenfurt, um vom 1. Bis 5. Juli 2015 zu beobachten, was geschieht. Alle sind zum ersten Mal dort.

Um über Literatur zu sprechen, nehmen sie auch das Bewegtbild hinzu. Luba Goldberg-Kuznetsova begründet das so: „Wir wollen die Gesichtsausdrücke der Menschen filmen, wenn wir mit ihnen sprechen. Wir wollen, dass man sieht, wie das aussieht. Wir wollen die Menschen näher kennenlernen.“

„Kein anderer Vorlesewettbewerb im deutschsprachigen Raum kann auf eine so lange Tradition zurückblicken wie der Ingeborg-Bachmann-Preis. Entwickelt vom und für das Fernsehen dokumentieren Video- und Audioaufzeichnungen, literarische Texte und Feuilletonartikel seit fast 40 Jahren Literatur, Literaturkritik und Inszenierung“, sagt Alina Herbing, die am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Kreatives Schreiben lehrt.

Alina Herbing befasst sich mit der Frage, was passiert, wenn Literatur auf Öffentlichkeit trifft und welche Normen und Regeln im Literaturbetrieb gelten. Wer am Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft studiert, setzt sich mit der Entstehung, Vermittlung und Rezeption von Gegenwartsliteratur auseinander, mit Verlagen, Kritik, Buchhandel und Leserschaft. Hildesheimer Literaturwissenschaftler blicken auf den „Kulturbetrieb in der Jetztzeit“. Professor Christian Schärf etwa forscht zur Mediengeschichte der Literatur, Professor Hanns-Josef Ortheil befasst sich mit der Gegenwartsliteratur seit 1945 und Thomas Klupp mit der Literatur seit 1989, mit Schreibprozessen und zeitgenössischen Romanen. Guido Graf baut mit Studierenden das Online-Portal „Litradio.net“ aus und forscht zu Literaturvermittlung und „Social Reading“. „Im Studium geht es zuallererst einmal um das Schreiben“, sagt Herbing. „Aber sobald man Texte publiziert und sich einer breiteren Öffentlichkeit aussetzt als im Seminarkontext, ist es hilfreich zu wissen, wie der Literaturbetrieb funktioniert.“

Auch die Fahrt zum Bachmann-Preis ist ein Anlass, um zu Schreiben. „Wir beobachten, was während der Tage der deutschsprachigen Literatur passiert, nicht nur vor der Kamera und auf der Bühne, sondern auch im Strandbad und vor den Buffets“, so Herbing. „Auratisches Ereignis“ und „hochinteressant“ nennt die Studentin Anna Riedel den Preis. Sie möchte nun wissen, „ob es so ist wie im Fernsehen und in Erzählungen“. Chico Freisleben, der im Master „Literarisches Schreiben“ studiert, nennt den Wettbewerb den „Betriebsausflug des Literaturbetriebs“. Er möchte sehen, wie „hinter, vor und auf den Kulissen inszeniert wird“.

Vor zwei Jahren haben Studierende bereits das Literaturgeschehen in Klagenfurt mit der Zeitung „Ingeborg“ dokumentiert.

Bloggen aus Klagenfurt

Die Tage der deutschsprachigen Literatur finden vom 1. bis 5. Juli 2015 in Klagenfurt statt. Neun Studierende der Universität Hildesheim berichten im Blog des Suhrkamp-Verlags live aus Klagenfurt:Logbuch-Suhrkamp. Der erste Text, in dem Luba Goldberg-Kuznetsova vom Fahrrad fahren erzählt, ist bereits online. „Alle, die mitfahren, sagten, sie würden sich Räder ausleihen, um sich zwischen der Frühstückspension, Partys, Lesungen, dem Strand und der Preisverleihung zu bewegen. Sonst, hieß es, wäre es zu weit. Das war ein Problem, weil ich überhaupt nicht Rad fahren kann. Überhaupt nicht. Ich komme ursprünglich aus St. Petersburg in Russland, und dort fährt wirklich kein Mensch Fahrrad, zumindest nicht vor 2001, als ich die Stadt verließ“, schreibt die Studentin.

In einem Roadtrip-Format geben die Studierenden Einblicke in die etwa neunstündige Fahrt mit dem Auto von Hildesheim nach Klagenfurt. „Die Literaturkritik wird in Form von protokollähnlichen Tagesberichten erscheinen und dann gibt es natürlich noch jede Menge Fotos und Videos mit Luba als Reporterin“, so Alina Herbing. Der letzte Blog-Beitrag ist dann für den Montag nach der Preisverleihung (6. Juli) geplant.

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