Enzyklopädie der Dinge

Hrsg. von Guido Graf, Marius Hoffmann und Florian Stern

Die Tür

Von Jérôme Fischer

Seit der Mensch begonnen hat feste, senkrechte Wände um sich herum zu einem geschlossenen Raum zu verbinden, bedarf es der Tür. Voraussetzung für die Tür ist also ein Raum. Um jenen zu betreten, braucht es zwar noch kein Tür, sondern eine Öffnung in einer der Wände. Doch um sich wirksam vor äußeren Umständen, wie Witterung, wilden Tieren oder unliebsamen Menschen zu schützen und die Zuflucht in der Räumlichkeit genießen zu können, bedarf es eben der Tür. Als Durchgang dient die Tür ebenfalls der Verbindung mehrerer Räume. Je nach Beschaffenheit bietet sie Schutz vor Schall, Strahlung, Rauch und weiteren Umwelteinflüssen. Türen unterscheiden sich heute in Bewegungsrichtung, Material, Form und Farbe. Zwar weist die Tür starke Ähnlichkeit mit dem Fenster auf, doch wird dieses nur selten als Durchgang verwechselt. Die Tür kann als Tisch oder als Bett umfunktioniert werden. Sie kann an der Front eines Autos als Schnee bzw. Laubschieber Verwendung finden. Durch den Besitz einer Holztür, braucht man sich sein Lebtag keine Sorgen, um den Mangel an Zahnstochern zu machen. Leicht arbeitet man mit einer Klinge feine Holzstückchen heraus, mit denen sich geschickt der eine oder andere Essensrest zwischen den Zähnen entfernen lässt.

Auch für den Gentleman alter Schule ist eine Tür ein nützliches Objekt. Vor allem an öffentlichen Plätzen hat der Gentleman immer eine Tür zu Hand. Wenn mal die Sprache versagt, die Dame aber beeindruckt werden soll, ist es gern gesehen, wenn der Herr der Dame die Tür aufhält. Auch am Arbeitsplatz ist eine Tür nützlich um Dampf abzulassen. In den Aktenkoffer greifen, eine Tür hervorzaubern, um sie dann dem misslaunigen Kollegen vor der Nase zu zuknallen. Solch eine Geste wirkt Wunder.
Quellen:
“Sie haben eine einfach Tür, sehr glücklich gemacht“: Adams, Douglas.1986. Per Anhalter durch die Galaxis. Berlin: Ullstein. S. 100.
 
“Auf dem Ohrensessel war ich ja immer in Ruhe gelassen, denn er stand hinter der Tür, durch welche Ankommende eintraten und auch genau im Halbdunkel, in welchem sich meine Phantasie und meine Gedanken schon immer am besten auf die in Frage kommenden Gegenstände konzentrieren und entfalten konnten; traten Gäste ein, so sahen sie mich erst, wenn sie schon an mir vorbei gegangen waren und auch dann nur, wenn sie sich nach der Tür umdrehten….“: Bernhard, Thomas. 2014. Holzfällen. Eine Erregung. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 40.
 
„Ich sah nur auf die Stockwerk-Anzeigetafel. Die Tür öffnete sich bei Sieben, aber niemand bewegte sich. Totenstille. Die Tür glitt wieder zu. Hinauf in den achten Stock … wieder öffnete sich die Tür.“ Thompson, S. Hunter. 2005. Angst und Schrecken in Las Vegas. München: Heyne. S.70.
 
„Hör zu: Phantasisches Selen reagiert nämlich auf unseren Willen. Gerade unser Wille ist es, der es so unnachgiebig macht. Je mehr einer hineinwill, desto fester schließt die Tür. Aber wenn es einer fertig bringt, jede Absicht zu vergessen und gar nichts zu wollen – vor dem öffnet sich die Tür ganz von selbst“ (Die unendliche Geschichte von Michael Ende): http://www.pforten-der-weisheit.com/pforten-in-der-literatur/klassiker-der-moderne/die-unendliche-geschichte/  (letzter Zugriff: 18.11.2015 13.06 Uhr)
 
Wolfgang Borchert: 1947, Draußen vor der Tür.
 
„Während in der Korrelation von Getrenntheit und Vereinigung die Brücke den Akzent auf die letztere fallen lässt, und den Abstand ihrer Fußpunkte, den sie anschaulich und messbar macht, zugleich überwindet, stellt die Tür in entschiedenerer Weise dar, wie das Trennen und das Verbinden nur die zwei Seiten eben desselben Aktes sind.“ Simmel, Georg. Brücke und Tür. In: Der Tag. Moderne illustrierte Zeitung Nr. 683, Morgenblatt vom 15. September 1909.http://socio.ch/sim/verschiedenes/1909/bruecke_tuer.htm (letzter Zugriff. 18.11.2015 13:34 Uhr)
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