Enzyklopädie der Dinge

Hrsg. von Guido Graf, Marius Hoffmann und Florian Stern

Das U

Von Sophie Bischoff

Kleinste, in sich abgeschlossene Teilzelle des Ökosystems ->Sprache, festgehalten in der künstlich erstellten Systemordnung des ->Alphabets, dort zu finden an 21. Stelle, nach dem ->T und vor dem ->V, mit dem Verwechslungsgefahr besteht, da es sich einzig durch eine stärker ausgeprägte Rundung im unteren Bereich unterscheidet (beim V findet sich an selbiger Stelle eine Spitze). Den nächstgrösseren Organismus, aus dem Aneinandersetzen mehrerer ->Buchstaben in einer gewissen Reihenfolge entstanden, nennt man ->“Wort“.
Bsp.: D + U = Du, Anrede an vertraute oder verwandte Person.
Die Länge dieser Wörter kann variieren, bsp.: Hund, Arbeitsauffassung. Wenn das U am Anfang eines ->Nomens (s. auch Wortgattungen und -familien) steht, wird es großgeschrieben. Bsp.: Umlaut (-> Umlaut)
Dieser entsteht, wenn man sein U mit Punkten versieht. (Bsp.: Ü) und wird aus den Teilzellen u und e zusammengesetzt, also: u + e = ue = ü. Es ist also mit einer mathematischen Kürzung gleichzusetzen.
– Anwendungsbeispiel: Kürzung, Tür (=T+ü+r)
– Praktisches Vorkommen des Us: In ->Texten: Werbung, Bücher, Briefe, Veranstaltungsplanung, Zeitungen und Zeitschriften. Seit der Erfindung des Buchdrucks erst in Schriften, ->Büchern und heute auch am ->Computer.

Erweiterte Anwendung:
Beim Gebrauch am Computer kann eine ->Vergrösserung stattfinden. Dazu benutzt man das ->Tool „Schriftgrösse“. 36, 48, 72, bis 300, 400… bis zur ->Maximalgrösse, bis es keinen Platz mehr im Computer findet und ->ausbricht.
Dann kann es als ->Schaukel benutzt werden, meist zwischen zwei Bäumen (s. auch „Pflanzen“). Bei diesem Vorgang werden die beiden Enden (ein ->Anfang findet sich im U nicht, daher vielleicht die mythologische Aufladung mit ->Unheimlichkeit) in einem, mit dem Prozess des Abflachens des ->v zum u vergleichbaren Vorgang, in die Länge gezogen.
Ebenfalls im Dienste der Müßigkeit, wird das U im Baum in manchen Gegenden soweit abgeflacht (Abstumpfen der Rundung) bis sich eine Hängematte ergibt (s. auch Artikel zu „Dolce Vita“).
Im europäischen Kulturkreis wird der Verwendungsrahmen des U zumeist kleiner gehalten: Es wird in den Mund genommen und je nach Stimmung oder Aussage des Wortes ausgespuckt, ausgestossen oder bloss ausgesprochen. Es eignet sich außerdem zum schriftlichen Gebrauch. Erweiterungsmöglichkeiten: Das Anfügen eines Hs für einen weicheren Klang („uh“, die –Verbindung zweier Us durch ein h im Falle von Haustierbedarf oder Klebenotwendigkeit („Uhu“).
Beliebt ist die ->Präposition u+n („Un“), die zur Negativierung von ->Begriffen dient: Un-tier Un-Mut, Un-Form, Un-sitte, Un-möglich, Untext …
Durch Zusammenbiegen der beiden Enden des Us (Ein Anfang wohnt diesem Buchstaben wie gesagt nicht inne), entsteht ein -> O (siehe „O“).
Diese vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten machen es wiederum zum beliebten Gegenstand von Schreibaufgaben an ->“Schreibschulen“ (weitere Artikel dazu ab Seite 500).

Quellen:

– Robert Walser, „Die fünf Vokale“:
„Ich sagte zur Imstichgelassenen: „Du, mit deinen Ansprüchen lass mich in Ruh!“, gebärdete mich ganz und gar wie U.“

– James Joyce: Ulysses (Titel)
– Anthony Burgess: Clockwork orange (im Titel der Übersetzung: Uhrwerk orange)
– Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch: „um u hervorzubringen, wird die Zunge nach hinten gezogen und in ihrem hinteren Teile zum weichen Gaumen gehoben, während sich die Lippen vorschieben und zu einer kleinen kreisrunden Öffnung zusammenziehen, sodass im Vordermunde ein ziemlich großer Resonanzraum entsteht, der die dumpfe Klangfarbe dieses Vokales bedingt. Diese Lippenrundung wird auch schon früh als Hauptmerkmal dieses Vokals erkannt: Das u ist ein laut gemacht mit spitzen Lippen und zusammen gezogenem Mund.”

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