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Nähe und Identität des Ghostwriters

I – Erfüllt mit dem göttlichen Geist, mit Weisheit, Verstand und Können für jedes Kunsthandwerk

Sucht ein Künstler eine Form für seine Inhalte, wird er bald ein Stück seiner selbst einsetzen, in die Waagschale werfen, um seine Nachricht zu formen. Ein Kunstwerk offenbart seinem Betrachter einen Teil der Persönlichkeit des Künstlers. Seine Werke haben einen ganz bestimmten Ton, gewohnte Muster oder zumindest wiederkehrende Brechungen mit dem Gewohnten. Seine Persönlichkeit ist Bestandteil des Werkes und doch ist das Werk etwas Unabhängiges, das für sich selbst spricht. Es hat eine eigene Identität. Gottfried Wilhelm Leibniz verstand den Dichter als „alter deus“, als einen zweiten Gott. Einen Schöpfer.

Wenn das alles wahr ist, ist der Ghostwriter der einzige
Künstler, der sich dadurch auszeichnet keine eigene Künstlerpersönlichkeit zu
haben. Er schreibt Sachbücher und Autobiografien für andere Leute und deren
Namen. Er bleibt ein unsichtbares Medium, ein Mittler zwischen den Welten, ein Geist,
der sich anderen Persönlichkeiten bemächtigt und in ihrem Namen schöpft und
schafft. Er wird zum „alter deus“ eines anderen. Wer Ghostwriter ist, hat in
dieser Funktion keinen Namen. Kein Gesicht. Keine Persona. Er ist der Künstler,
den es nicht gibt, er erschafft durch die Identitäten anderer. Er ist nur ein
Geist, der Texte schreibt.

Es gibt wesentlich mehr dieser hilfreichen Geister, als es
den Anschein hat. Die wenigsten, die eine Geschichte zu erzählen haben, können
oder wollen sie selber niederschreiben. Sonst wäre der Berufsstand der
Schriftsteller unnötig. Dieser künstlerische Akt der Veräußerung ist schlicht
und einfach nicht jedermanns Sache.

Manchmal brauchen sogar andere Autoren oder Journalisten
Hilfe mit ihren Büchern, weil der Verlag unzufrieden ist, oder weil sie zwar
gute Recherchearbeit leisten können, aber sich nicht lange mit 300 Seiten
Reflexion auseinandersetzen wollen. Bei den meisten Prominenten, Politikern,
Juristen oder Privatpersonen, muss man davon ausgehen, dass sie handwerklich
oder zeitlich nicht in der Lage sind ein Buch zu schreiben. Ein williger Autor,
der keiner ist, hat nur die Geschichte und seine Persönlichkeit. Ein
Ghostwriter nutzt diese Persönlichkeit, um die Geschichte für sie zu erzählen –
und umgekehrt.

Der Ghostwriter muss dazu sehr tief in die Psyche
eindringen. Er schreibt keine kurze Reportage, sondern ein komplettes Buch. Er
versucht das Innerste und Äußerste der Persönlichkeit aufs Papier zu bannen, wo
es durch die Druckerpressen an die Leser vermittelt wird. Er braucht kompletten
Zugang zum Leben der Persönlichkeit. Totale Nähe. Er kann (und muss)
Geheimnisse wahren, aber sie nicht zu kennen kann im späteren Text zu
komplizierten Widersprüchen führen.

II –  Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und es in ihren Sinn schreiben

Der Ghostwriter bewegt sich zwischen vielen Grenzen hin und
her. Er springt zwischen unterschiedlichsten Milieus und nimmt im Laufe seines
künstlerischen Schaffens mehrere Identitäten an. Gerade für junge Autoren, die
in der eigenen Biografie vielleicht Stoff für ein
oder zwei literarische Ergüsse
haben, ist es ein einfacher Weg an
große Geschichten zu kommen.



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