Enzyklopädie der Dinge

Hrsg. von Guido Graf, Marius Hoffmann und Florian Stern

Der Vorhang

Von Thea Mengeler

Als Vorhang – oder auch Gardine – bezeichnet man ein rechteckiges Stück Stoff, das meist mittels einer Stange vor einem Fenster befestigt wird. Der Vorhang kann in diesem Fall dreierlei Funktion erfüllen:
1. den Blick von Passanten oder Nachbarn ins Innere des Zimmers verhindern
2. zur Dekoration dienen
3. das Sonnenlicht aus dem Raum fernhalten
Für die beiden ersten Funktionen ist ein dünner, halbtransparenter Stoff ausreichend, letztere erfordert einen dickeren, lichtundurchlässigen Stoff. Etwa 80% der Vorhänge werden aus gewirkten Stoffen gefertigt, es kommen jedoch auch gewebte, geklöppelte, geknotete, bestickte oder beflockte Stoffe vor.
Außer vor Fenstern findet man den Vorhang auch auf Theaterbühnen. Das Öffnen und Schließen dieses Vorhanges markiert dort jeweils den Beginn und das Ende einer Vorstellung. Bereits im alten Ägypten wurde der Vorhang als Sonnenschutz entwickelt. Verwendung in Theatern fand er jedoch erst im Theater der römischen Antike seit Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.
 
Personen, die um ihre Privatsphäre besorgt sind, können sich mit einem transportablen Vorhang ausstatten, der es Ihnen auch in der Öffentlichkeit erlaubt, die unerwünschten Blicke anderer von sich fern zu halten.
Auch als Transportmittel kann der Vorhang dienen. Ist man im Besitz eines Pferdes oder eines  starken Mannes, kann man den Vorhang an diesem befestigen und sich auf dem Stoff sitzend durch Schnee oder Sand ziehen lassen. (Auf Asphalt oder in unebenem Gelände ist von diesem Gebrauch jedoch abzuraten.)
Man kann auch sehr viele Vorhänge aus sehr sehr vielen Wohnungen zusammen nähen und damit à la Christo die Wüste Gobi verhüllen. Niemand hätte dann dort je wieder Sand in den Schuhen. Allerdings wäre auch in diesem Fall dazu zu raten, Vorhänge aus dickeren Stoffen zu verwenden.
Quellen:
Sartre, Jean Paul. Gesammelte Dramen. Bei geschlossenen Türen. Rowohlt Verlag, Reinbek 1969. S. 70: „Ein winziges schwarzes Blitzen, ein Vorhang, der niedergeht und wieder hochgeht: der Einschnitt ist da.“
Bánk, Zsuzsa. Die hellen Tage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2012.
S. 145: „Évi glitt langsam hinab, löste den Haken vom Rücken, kam mit einer letzten Drehung auf dem weichen Boden zu stehen, und unter Rufen und Pfiffen, unter lautem Applaus verschwand sie hinter dem Vorhang, wo Zigi ein Tuch um ihre Schultern legte, damit ihr vom Schweiß nicht kalt wurde.“
Jung, Carl Gustav. Der Mensch und seine Symbole. Walter-Verlag, 1993
S.85: „Unsere Welt ist dissoziiert wie ein neurotischer Mensch, wobei der Eiserne Vorhang die symbolische Trennungslinie bildet.“
Murakami, Haruki. Gefährliche Geliebte. btb Taschenbücher, 2002
S. 153 f.: „Zwischen mir und dem Pianisten blieb ein dünner Vorhang, und wie sehr ich mich auch bemühte, ich schaffte es nicht, auf die andere Seite zu gelangen.“

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