Enzyklopädie der Dinge

Hrsg. von Guido Graf, Marius Hoffmann und Florian Stern

Der Schrank

Von Lea Willim

Der Schrank ist ein kastenförmiges, meist mannsgroßes Möbelstück, das zur Aufbewahrung oder Lagerung von verschiedenen Dingen genutzt wird. Je nach dem was in dem Schrank aufbewahrt wird, gibt ihm seinen spezifischen Namen. Darunter sind vor allem der Kleiderschrank, der Geschirrschrank, der Schuhschrank, der Bücherschrank und der Kühlschrank zu nennen, die in fast jedem Haushalt zu finden sind.
Bis zum 15. Jhd. wurde der Schrank als ‚abgeschlossener Raum’ verstanden und gewann dann seine Bedeutung als aufrecht aufgestellte Kastentruhe oder zwei übereinander gestapelte Truhen, die den selben Zweck der Aufbewahrung hatten wie der Schrank heute.
Ursprünglich besteht der Schrank aus massivem Holz und Gittern, welche jedoch von Spanplatten, Kunststoff und Glaseinsätzen zum größten Teil abgelöst wurden. Die Türen des Schrankes sind oft an Schanieren befestigt und lassen sich aufklappen, es gibt jedoch auch auf Schienen verlaufende Schiebetüren.
Die meisten Schränke stehen auf vier, an der Unterseite des Schrankes angebrachten Beinen auf dem Boden. Heute werden auch kleinere kastenförmige Möbelstücke (die z.B. an der Wand angebracht werden können, wie der Wandschrank) wie Kommoden und Anrichten als ‚Schrank’ bezeichnet. Dazu wird auch die Verniedlichung ‚Schränkchen’ verwendet.
Manche Schränke sind auch mit Lichtquellen an der Außen- oder Innenseite und Spiegeln an den Türen versehen, die es dem Benutzer ermöglichen sich selbst zu betrachten, z.B. bei der Auswahl von einem geeigneten Kleidungsstück oder beim Rasieren.
 
Dieser Spiegel dient auch zur Selbstkritik. Der Mensch mustert sein Spiegelbild und verzweifelt, da ihm sein Aussehen, seine körperliche Statur, sein Styling oder sein Outfit nicht gefallen. Das führt zu Selbstzerstörung und Verminderung der Sexualität. Ganz im Gegenteil kann der Mensch sich auch so schön finden, das er in Selbstliebe und Asexualität verfällt. Dann stirbt der Homo Sapiens aus.
Im Winter kann man eine Schildkröte im Kühlschrank aufbewahren. Man kann, etwa aus Platzmangel, auch Bücher im Kühlschrank oder Schuhschrank lagern und stattdessen Schuhe und Nahrungsmittel an Schnüren aus dem Fenster hängen lassen. Die Schuhe sind dann immer blitzeblank und das Gemüse müsste vorm Essen nicht geputzt werden. Was mit der Schildkröte passiert, bleibt fragwürdig.
Wenn man den Schrank auf die hintere, größere Seite legt, kann man mit ihm Schlitten fahren. Er hat eine glatte und gerade Oberfläche, die sich gut zum Gleiten eignet. Wenn man die Türen aufklappt,  kann man auch mit mehreren Menschen darin rodeln. Durch das zusätzliche Gewicht nimmt der Schrank dann auch mehr Geschwindigkeit auf. Zusätzlich hat man durch den gut abgedichteten Innenraum und die Schrankwände nicht einmal kalten Schnee in den Hosenbeinen.
Man kann unter einen flachliegenden Schrank auch Achsen und Räder schrauben und sich mit geschlossenen Türen auf den Bauch legen und durch ein Loch, mit einem Lenkrad an der Vorderseite am Verkehr teilnehmen. Liegend braust man über die Autobahn und keiner kann sehen was sich im Innern des Gefährts verbirgt. Man kann Sex haben, ein Buch lesen, Bier trinken oder etwa Karten spielen. Und nicht einmal der Blitzer am Straßenrand wäre fähig das Geschehen zu erfassen, da das Schrankauto zu flach wäre um geblitzt zu werden. Selbst wenn man die Türen nach oben öffnen würde um den Zug der Wolken zu betrachten (dann wäre das Gefährt deutlich höher), wäre es für den Blitzer zumindest immer noch nur ein Schrank, der auf einer Autobahn liegt und mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Transportwagen gefallen ist.
Quellen:
1.) Jean-Paul Sartre – Zeit der Reife (Rowohlt Verlag GmbH, Reinek bei Hamburg, November 1961)
S. 89 „Daniel stand mit nackten Oberkörper vor seinem Spiegelschrank und rasierte sich.“
S. 91 „Er trat dicht vor den Spiegel und sah sich mißmutig an; er sagte sich <Übrigens bin ich gern schön.> Abgespannt sah er aus. Er kniff sich in die Hüften: <Ein Kilo müßt’ ich abnehmen.>“
„Vier kahle Wände, zwei Sessel, ein Stuhl, Tisch, Schrank und Bett.“
 
2.) Wer kennt sich schon – Lektüre zwischen den Jahren ausgewählt von Martin Walser (Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1992)
S. 47 „Mein Schrank ist einen Spalt weit geöffnet, und wenn ich hineinschaue ins Dunkel, bilde ich mir ein, es könnte dort eine Höhle sein, ein Gang vielleicht, der irgendwohin führe.“ –Johanna Walser
 
3.) Anne Frank Tagebuch (12. Auflage: Januar 2008, ergänzte Ausgabe, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main, Mai 2001)
S. 44 „Unser Versteck ist nun ein richtiges Versteck geworden. Herr Kugler fand es nämlich besser, vor unsere Zugangstür einen Schrank zu stellen […], aber natürlich einen Schrank, der drehbar ist und wie eine Tür aufgeht.“
S. 49 „Die männlichen van Daans haben einen konfortablen, gebeizten Vorratsschrank geschreinert, mit richtigem Fliegengitter. […] Ich habe Peter geraten, den Tisch dort hinzustellen, mit einer hübschen Decke, und das eine Schränkchen an die Wand zu hängen, wo jetzt der Tisch ist.“
S. 53 „Dann essen wir Mottenkekse mit Sirup (die Keksdose stand in einem Kleiderschrank, der eingemottet ist) und amüsieren uns.“
 
4.) Das Deutsche Wohnzimmer – Herlinde Koelbl, Manfred Sack, mit einem Beitrag von Alexander Mitscherlich (Verlag J.C. Bucher GmbH, München und Luzern, 1980)
-> Alexander Mitscherlich: Konfession zur Nahwelt. Was macht eine Wohnung zur Heimat (1965)
S. 135 „In diesem Korridor stand außerderm, kurz bevor er einen Knick ins Dunkle machte, ein Ungetüm von Schrank. Er war stilistisch verwand mit jenen burgartigen Häusern[…]. Er muß, betrachte ich ihn, der mir heute noch so vor Augen steht, als wäre ich gerade aus ihm hervorgekrochen, ein abscheulicher Koloß gewesen sein. Was tat es? Wir hatten die Aufgabe seine knarrenden Türen lautlos zu öffnen, um hinter eingemotteten Plumeaus zu verschwinden, es war der Spannung höchster Genuß, wenn die suchenden Hände im Halbdunkel sich zu uns herantasteten.“

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