Literaturinstitut Hildesheim http://literaturinstitut-hildesheim.de Schreiben, Lesen und Studieren in Hildesheim Wed, 28 Jun 2017 09:42:55 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8 Herbstakademie 2017 http://literaturinstitut-hildesheim.de/herbstakademie-2017/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/herbstakademie-2017/#respond Fri, 16 Jun 2017 16:43:21 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987453588

Herbstakademie 2017

Meisterkurs „Literarisches Schreiben und Lektorieren an der Universität Hildesheim“

Termin

Donnerstag, 28. September 2017 (15 Uhr)

Sonntag, 01. Oktober 2017 (13 Uhr)

Bewerbung

Bewerbungen (Texte plus einige knappe Angaben zur Vita) sind per Mail an das

Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim
c/o Sekretariat Helga Burgemeister
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

(burgemeister@uni-hildesheim.de)

zu richten.

Einsendeschluss ist der 12. Juli 2017. Bis zum 20. Juli 2017 werden die für den Kurs ausgewählten Teilnehmer_innen über ihre Teilnahme benachrichtigt und erhalten dann weitere, ausführliche Informationen zur Vorbereitung auf den Kurs.

Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim bietet im Rahmen seiner Herbstakademie zum zweiten Mal einen Meisterkurs „Literarisches Schreiben und Lektorieren“ an. Der Kurs findet vom Donnerstag, 28. September 2017 (15 Uhr), bis Sonntag, 01. Oktober 2017 (13 Uhr), auf dem Gelände der mittelalterlichen Domäne Marienburg (und damit auf dem schönsten Universitätscampus Deutschlands) statt.

Der Kurs wird von Prof. Dr. Christian Schärf und Mitarbeiter_innen des Instituts durchgeführt. Er richtet sich an schreibinteressierte Laien, die sich für die Dauer eines verlängerten Wochenendes dem Thema Kurz- und Kürzestprosa widmen. Im Verlauf der Werkstatt werden zahlreiche Texte unterschiedlichster Genres entstehen und vor Ort lektoriert.

Für die Teilnahme am Kurs ist eine Bewerbung mit kurzen Prosatexten notwendig, die eine Gesamtlänge von 10.000 Anschlägen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten sollten. 15-20 Bewerberinnen oder Bewerber werden nach Prüfung der Texte durch die Organisatoren nach Hildesheim eingeladen.

Der Kurs kostet 400 Euro, die nach Einladung durch die Organisatoren vor Beginn des Kurses (bis zum 15. August 2017) auf ein (in der Einladung angegebenes) Konto der Universität Hildesheim überwiesen werden müssen. Eine Stipendienvergabe ist leider nicht möglich. Die Einnahmen kommen nicht den Lehrenden, sondern ausschließlich den jungen Studierenden zugute, die an der Universität Hildesheim Kreatives oder Literarisches Schreiben studieren. Sie dienen u.a. der Förderung von Publikationen des Institutsverlages Edition Pächterhaus.

Im Honorar ist weder Übernachtung noch Verpflegung enthalten. Die Teilnehmer müssen sich selbst um eine Unterkunft bemühen, Verpflegung in eigener Regie ist auf dem Campus durch ein Hofcafé und in unmittelbarer Nähe durch einen Landgasthof möglich. Das Institut macht auf Nachfrage gerne Vorschläge für eine günstige Unterkunft nahe dem Veranstaltungsort.

Die Bewerbungen (Texte plus einige knappe Angaben zur Vita) sind per Mail an das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim, c/o Sekretariat Helga Burgemeister, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim (burgemeister@uni-hildesheim.de) zu richten. Einsendeschluss ist der 12. Juli 2017. Bis zum 20. Juli 2017 werden die für den Kurs ausgewählten Teilnehmer_innen über ihre Teilnahme benachrichtigt und erhalten dann weitere, ausführliche Informationen zur Vorbereitung auf den Kurs.

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Gastgebend http://literaturinstitut-hildesheim.de/gastgebend/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/gastgebend/#respond Sat, 29 Apr 2017 14:39:51 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987453550

Die Vorbereitungen für die LitNight laufen auf Hochtouren. Heute: Kostümprobe.

In der Maske kann man noch viel machen.

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LitNight am 3. Mai http://literaturinstitut-hildesheim.de/litnight-am-3-mai/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/litnight-am-3-mai/#respond Fri, 28 Apr 2017 11:38:48 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987453544

Die LitNight steht vor der Tür. Noch fünf Tage, um alles vorzubereiten. Heute: Werbung.

LitNight, am 3.5.2017 im Litteranova in Hildesheim. Einlass ist um 20 Uhr, Eintritt ist frei.

Bis dahin verbleibt die Edition Paechterhaus bei allem Stress stoisch verträumt, wie immer.

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It’s all about the Stempel, baby http://literaturinstitut-hildesheim.de/its-all-about-the-stempel-baby/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/its-all-about-the-stempel-baby/#respond Sat, 01 Apr 2017 12:28:40 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987453466

Die Edition Paechterhaus hat jetzt ihren eigenen Stempel. Helfen Sie einem Team junger, gutaussehender Studierender, denen es in den Fingern kribbelt. Bestellen Sie die Bücher des Frühjahrsprogramms, schreiben Sie ans Paechterhaus – Urlaubsanekdoten, Fotos Ihrer Haustiere, oder so – egal, nur tun Sie etwas, damit Stempel und nicht minder schöne Briefvorlage zum Einsatz kommen. Danke.

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„Écriture féminine“ mit Stefanie de Velasco http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-kalter-kaffee-oder-tigermilch/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-kalter-kaffee-oder-tigermilch/#respond Wed, 13 Jul 2016 06:09:04 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987451793 Ein Interview mit Stefanie de Velasco von Nele Holdorff, Anna Lee Engel und Svenja Stühmeier:

„Für meine Kinder“ – „Für meine Eltern“ – „Für meinen Mann“ – „Für Mädchen“. Letztere Widmung findet man auf der ersten Seite des Romans „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco. Die Autorin wurde 1978 in Oberhausen geboren und studierte Europäische Ethnologie und Politikwissenschaften. 2013 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Tigermilch“ bei Kiepenheuer und Witsch. Darin erzählt sie von zwei 14-jährigen Mädchen aus einem sozialen Randgebiet Berlins, die sich intensiv mit ihrer Sexualität auseinandersetzen.
Da das Buch in Rezensionen als „Mädchenroman“1 betitelt wird, lag es für uns nah, dieses Werk als praktischen Ausgangspunkt für die Untersuchung einer Theorie zu betrachten: Im Rahmen des Seminars zum Thema „Écriture féminine – die Frage nach einem weiblichen Schreiben“ suchen wir nach möglichen Erscheinungsformen von Weiblichkeit in der Sprache und fragen nach Formen feministischer Literatur.
Mit Stefanie de Velasco befragen wir eine zeitgenössische Schriftstellerin danach, was es bedeutet, jugendliche Mädchen zum Thema und Weiblichkeit zum literarischen Konzept eigenen Schreibens zu machen.
Das Interview wurde per E-Mail geführt und teilt sich in zwei Teile. Ersterer beschäftigt sich mit Stefanie de Velascos persönlichen schriftstellerischen Zielsetzungen und Vorgehensweisen, zweiterer eher mit Theorien zur Stilistik und Thematik des weiblichen Schreibens/der Écriture féminine im Allgemeinen. Écriture féminine – kalter Kaffee oder Tigermilch?

Nele Holdorff, Anna Lee Engel und Svenja Stühmeier (NAS): Ihr Roman „Tigermilch“ handelt von der recht rauen Jugend der Freundinnen Nini und Jameelah. Können Sie uns sagen, wieso Sie sich für Mädchen als Protagonistinnen entschieden haben?

Stefanie de Velasco (SdV): Ich wollte einen Roman schreiben, der Protagonistinnen in den Mittelpunkt stellt, die nicht aus der Mittelschicht stammen. Das hat einfach mit persönlichen Interessen zu tun und auch eine politische Komponente. Ich finde, es gibt viel zu wenige politische Mädchenromane.

NAS: Noch bevor wir von den Mädchen lesen, lesen wir „für Mädchen“ als Widmung vorne im Buch. Wie ist diese Widmung zu verstehen? Aus welcher Intention heraus haben Sie sie geschrieben?

SdV: Ich habe mir bei der Widmung nicht viel gedacht, außer, dass ich Widmungen immer albern finde. Es stand dann plötzlich da, ohne dass ich lange überlegt habe, und dann fand ich es gut, also habe ich es gelassen.

NAS: Nini und Jameelah spielen häufig mit Sprache. Wir denken an das „Wörterknacken“ (die Mädchen benutzen O-Sprache, in welcher „drehen“ zu „drohen“ wird) und den auffälligen Idiolekt, in dem zum Beispiel das Wort „wolke“ so viel wie „super“ bedeutet. Welche Bedeutung/Funktion hat dies für die Freundinnen? Soll es den Lesern/innen etwas Bestimmtes vermitteln?

SdV: Ich wollte eine eigene Jugendsprache schaffen, die künstlich ist, aber möglichst authentisch wirken sollte, einfach weil Jugendsprache ein so wichtiges Attribut ist in dem Alter und ich gerade in einem Roman ungern darauf verzichten wollte. Es repräsentiert auch die eigene Welt der beiden Mädchen, die sie durch ihre eigene Sprache abgrenzen.

NAS: Ihr Roman wird aus Ninis Perspektive erzählt. Haben Sie Ihren Schreibstil bewusst vor diesem Hintergrund entwickelt/gewählt oder hat sich dieser eigenständig während des Schreibprozesses gebildet?

SdV: Die Erzählstimme war von Anfang an da. Ich habe daran nicht rumgebastelt, sondern bin einfach dem Ton gefolgt, dem Rhythmus. Die Figuren, die Motive und der ganze Plot kamen erst später dazu. Am Anfang habe ich mich selbst gefragt, wer das ist, der das hier erzählt. Ich wusste auch nicht, dass es ein Roman werden würde.

NAS: Wir haben Ihnen diese Fragen über Mädchen und Sprache nicht ohne (Hinter-)Grund gestellt. Momentan beschäftigen wir uns mit der Écriture féminine, einem Konzept des weiblichen Schreibens, das in Frankreich vor allem in den 1970er Jahren entstanden ist. Theoretiker/innen und Schriftsteller/innen setzten sich hierbei mit der Frage auseinander, inwiefern Präsenz der Weiblichkeit in und durch Sprache erreicht werden kann, wie die Frau hierdurch einen Platz in der Gesellschaft einnehmen und ihr eine Stimme verliehen werden kann. Haben Sie auch schon einmal aus dieser Intention heraus geschrieben (Nicht nur in Bezug auf Tigermilch)? Denken Sie, dass überhaupt ein weibliches Schreiben existiert?

SdV: Das weiß ich nicht. Für mich bedeutet weibliches Schreiben vor allem mich literarisch mit Themen und Figuren zu beschäftigen, die spezifisch weiblich sind. Unter spezifisch weiblich verstehe ich feministische Themen, d.h. ich glaube an feministische Literatur, aber nicht an ein weibliches Schreiben. Mich interessiert es von Figuren zu erzählen, die unter dem männlichen Blick leiden, unter patriarchalen Strukturen, z.B. sexuelle oder religiöse Gewalt. Das ist aber nichts spezifisch Weibliches.

NAS: Als formale Merkmale weiblichen Schreibens, wie es Vertreter/innen der Écriture féminine – beispielsweise Hélène Cixous oder Luce Irigaray – betreiben, werden unter anderem Brüche in Grammatik und Syntagma, fehlende Linearität im Erzählverlauf, ein fehlender Abschluss des Textes sowie die Aufhebung von Gattungsgrenzen und die prosodische Ausgestaltung angesehen. Wie ist Ihre Einstellung zu diesen Mitteln zum Ausdruck der Weiblichkeit? Würden Sie vor diesem Hintergrund Ihr Schreiben als weiblich bezeichnen oder finden Sie in Ihren Texten andere Anhaltspunkte für ein weibliches Schreiben?

SdV: Ich interessiere mich nicht besonders für so etwas. Wenn ich einen Text beginne, dann folge ich einer Figur und einem Rhythmus. Was am Ende dabei herauskommt, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, was an fehlender Linearität oder Brücken bezüglich der Grammatik besonders weiblich sein soll. Dass Frauen keine Grammatik können oder immer die Pointe versauen?

NAS: Gibt es Ihrer Meinung nach Beispiele, die Sie, auch wenn sie nicht den oben genannten Kriterien entsprechen, als weibliches Schreiben bezeichnen würden? Wodurch zeichnet sich das „Weibliche“ dieser Texte aus?

SdV: Ich tue mich mit dem Begriff „weiblich“ etwas schwer. Wie gesagt interessiert mich vielmehr feministische Literatur für Mädchen, das ist das, was ich schreibe. Feministische Autorinnen sind für mich Autorinnen wie Virginia Woolf, die sich ja auch z.B. mit Gender beschäftigt hat in „Orlando“ und immer wieder mit Frauenfiguren und den jeweiligen Konflikten ihrer Gegenwart, aber auch Woolfs Text sind anders als die ihrer männlichen Zeitgenossen. Gleichzeitig finde ich aber auch, dass Shakespeare weiblich geschrieben hat, allein schon deswegen, weil er viele weibliche Protagonistinnen geschaffen hat – starke Frauenfiguren. Im entferntesten Sinne würde ich auch jemanden wie Francoise Sagan als jemanden bezeichnen, der weiblich schreibt.

NAS: Nun schreiben wir mittlerweile das Jahr 2016. Haben Sie das Gefühl, dass sich Weiblichkeit in Texten, die nach den 1970er Jahren geschrieben wurden, deutlicher herausstellt? Was sind Ihrer Meinung nach Mittel und Techniken, um heutzutage Weiblichkeit in die Schrift/zur Sprache zu bringen?

SdV: Dazu kann ich leider nichts sagen. Keine Ahnung.

Wir bedanken uns bei Stefanie de Velasco für das E-Mail-Interview, das am 15.01.2016 geführt wurde.  

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„Écriture féminine“ mit Eva Maria Busch http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-mit-eva-maria-busch/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-mit-eva-maria-busch/#respond Sun, 10 Jul 2016 06:08:35 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987451813 Ein Interview von Julinka Welz und Carolin Büscher:

Eva-Maria Busch, geboren 1957, hat Russisch und Französisch in Köln studiert. Nach dem ersten Staatsexamen bekam sie eine Stelle als Lektorin im Brunnen Verlag Gießen, wo sie seither tätig ist. Hauptsächlich redigiert sie Biografien, Lebensgeschichten und historische Romane. Außerdem betreut sie Anthologien.
„Meine Arbeit galt früher immer als Studienabbrecher-Beruf“, sagt sie zu Beginn unseres Gesprächs lachend.

Hattest du denn schon zu Beginn deines Studiums die Vorstellung, ins Lektorat zu gehen?
Für einen Lektor gibt es keinen direkten Berufs- oder Studienweg. Russisch und Französisch habe ich zunächst mit dem Ziel, Lehrerin zu werden, studiert. Aber dann bin ich doch lieber in den Verlag gewechselt. Anfangs habe ich noch Kinderbücher übersetzt, heute mache ich jedoch nur noch Lektoren-Arbeit. Übersetzer verdienen meistens sehr wenig, davon kann man schlecht leben (außer wenn man einen gut verdienenden Mann hat!).

Wo wir schon beim Thema wären! Gibt es für dich einen signifikanten Unterschied, wenn du Texte von Männern oder Frauen liest?
Nein. Meistens nicht. Auf keinen Fall ist das im Schreiben so erkennbar. Dafür hat sich die Gesellschaft viel zu sehr angeglichen: Frauen werden nicht mehr bloß auf „Gefühl“ reduziert.
Als Lektorin habe ich mehr mit Autorinnen zu tun, weil mehr Frauen schreiben. Ich habe manchmal jedoch den Eindruck dass Frauen stärker an ihren Texten hängen und emotionaler damit verbunden sind, während Männer eher auf der sachlichen Ebene bleiben und Kritik nicht so persönlich nehmen. Besonders natürlich bei autobiografischen Manuskripten. Frauen sind da mehr mit Herzblut dran, haben oft mehr über Persönliches geschrieben – was man aus ihrer Sicht nicht so einfach ändern darf. Manchmal möchte ich aber etwas ändern, um Aussagen verständlicher oder leichter lesbar zu machen und dem Leser einen besseren Zugang zu ermöglichen. Diesen „Kampf“ führe ich daher eher mit Frauen.

Welche Rolle spielen Geschlechter in der Literatur von deiner Position aus?
Verlage haben das Ziel, Bücher zu verkaufen. Sie sind ein Wirtschaftsunternehmen. Frauen kaufen – statistisch gesehen – die meisten Bücher. Und vor allem auch solche, die von Frauen geschrieben wurden. Ich verstehe es nicht immer, aber es ist so. Frauen haben also auf dem Buchmarkt gute Chancen, ihre Bücher zu verkaufen, da werden sie nicht „diskriminiert“.

Worauf achtest du denn, um weibliche Leser zu erreichen?
Man muss das Bedürfnis bedienen. Im Verlag heißt es immer: Die Menschen lesen gern „befürchtetes oder ersehntes Leben“. Krimis auch, Entspannung, Bildung.
Auch die Grafik ist wichtig. Darüber entscheide ich nicht speziell, aber ich werde auch in die Covergestaltung eingebunden: Ist die populärere oder die anspruchsvollere Variante passender? Die Verpackung ist ebenso wichtig wie der Inhalt, das ist nicht untergeordnet. Genauso wie der Titel.

Fühlst du dich als Frau in deinem Beruf auch in einer bestimmten „Rolle“, die du schwer abwerfen kannst oder gar gerne vertrittst?
Im täglichen Umgang können meine Kollegen sachlicher sein und die Person vom Problem trennen – eigentlich ähnlich wie bei dem eben beschriebenen Autorinnen-Phänomen. Natürlich kommt es immer wieder mal zu Konflikten mit dem Vorgesetzten oder zwischen Abteilungen. Das ist ja ganz normal, wenn Menschen miteinander zu tun haben.
Aber an sich arbeiten wir im Verlag recht frei. Manuskripte ablehnen kann ich auf eigene Verantwortung. Was Texte annehmen angeht, so kann ich Empfehlungen aussprechen. Wenn mir viel an etwas liegt, kann ich das auch wirklich einbringen. Wenn der prognostizierte Verkauf jedoch laut Chef zu klein ist, hab ich auch keine Chance – als diskriminierend empfinde ich das jedoch nicht. Wirtschaftlichkeit ist leider immer eine Zwangsjacke, und jeder Verlag kämpft um guten Umsatz. Da muss man sich was einfallen lassen. Zum Beispiel „Non-Book-Artikel“, die macht inzwischen fast jeder Verlag, also Sachen wie Teedosen, Geschenkartikel … Das kaufen Frauen auch gerne!

Welche gesellschaftliche Kraft schreibst du Literatur zu?
Früher war Literatur zumindest in intellektuellen Kreisen noch von größerer Bedeutung und konnte dadurch in gewissem Maße gesellschaftlich Einfluss nehmen. Mittlerweile werden Probleme eher durch die große Bandbreite der modernen Medien thematisiert und diskutiert. Im unteren Milieu werden keine Zeitungen oder Bücher gelesen, durch Zeitschriften und Fernsehen werden vielleicht noch die meisten Menschen erreicht.
Man muss provokant sein und in den Medien wiedergespiegelt werden. Wenn Autoren durch die Talk-Shows gereicht werden, machen sie sich interessant, sodass man auf das Buch aufmerksam wird. Das hat viel mehr Wirkung als das Feuilleton!

Was würdest du auf dem aktuellen Markt gerne ändern?
Die Kurzlebigkeit. Immer mehr Bücher werden nur für ein halbes Jahr auf den Markt geworfen. Immer mehr Titel, immer kleinere Auflagen. Das ist nur frustrierend, sowohl für die Autoren, als auch für die die Verlage. Das macht den Markt kaputt. Aber jeder muss mitmachen, denn wer kann da aussteigen?

 

Wir bedanken uns bei Eva Maria Busch für das Interview, das am 25.12.2015 geführt wurde. 

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Herzliche Einladung zur Lit-Night-Show http://literaturinstitut-hildesheim.de/herzliche-einladung-zur-lit-night-show/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/herzliche-einladung-zur-lit-night-show/#respond Sat, 11 Jun 2016 09:04:16 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987452402

Die Edition Paechterhaus befindet sich aktuell im Relaunch. Für die diesjährige Mittsommernacht haben wir uns deshalb etwas Besonderes einfallen lassen: Am 18.06. präsentieren unsere illustren Gäste witzige Aufsätze, literarische Ansätze und verästelte Versatzstücke unseres Verlagsprogramms.

Los geht die Retrospektive um 23.15 Uhr im Pächterhaus der Domäne Hildesheim.

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Relaunch der Edition Paechterhaus http://literaturinstitut-hildesheim.de/relaunch-edition-paechterhaus/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/relaunch-edition-paechterhaus/#respond Fri, 13 May 2016 13:22:47 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987452133

Die Edition Paechterhaus setzt aus, um sich neu aufzustellen. Unser Projektteam baut die Schriftenreihe zum Verlagslabor aus. Reihengestaltung, Lektorat und Schreiben – professionell in studentischer Hand.
Im Herbst starten die Druckerkressen.

Wir freuen uns, Ihnen dann die ersten Bücher der neuen Edition Pächterhaus vorstellen zu können.

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Herbstakademie 2016 http://literaturinstitut-hildesheim.de/herbstakademie-2016-meisterkurs-literarisches-schreiben-lektorieren-universitaet-hildesheim/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/herbstakademie-2016-meisterkurs-literarisches-schreiben-lektorieren-universitaet-hildesheim/#comments Mon, 02 May 2016 10:06:43 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987451919

1. Meisterkurs „Literarisches Schreiben und Lektorieren an der Universität Hildesheim“

Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim bietet im Rahmen seiner Herbstakademie zum ersten Mal einen Meisterkurs „Literarisches Schreiben und Lektorieren“ an. Der Kurs findet vom Donnerstag, 29. September 2016 (15 Uhr), bis Sonntag, 02. Oktober 2016 (13 Uhr), auf dem Gelände der mittelalterlichen Domäne Marienburg (und damit auf dem schönsten Universitätscampus Deutschlands) statt.

Der Kurs wird von Prof. Dr. Hanns-Josef Ortheil und dem Wiss. Mitarbeiter Dr. Thomas Klupp geleitet und durchgeführt. Er richtet sich an schreibinteressierte Laien, die sich für die Dauer eines verlängerten Wochenendes dem professionellen Aufbau einer schriftstellerischen Werkstatt widmen. Im Verlauf der Werkstatt werden daher zahlreiche Texte unterschiedlichster Genres entstehen und vor Ort lektoriert.

Für die Teilnahme am Kurs ist eine Bewerbung mit einem Prosatext oder auch mehreren kurzen Prosatexten notwendig, die insgesamt nicht länger als 15 000 Anschläge (inkl. Leerzeichen) sein sollten. 15-20 Bewerberinnen oder Bewerber werden nach Prüfung der Texte durch die Organisatoren nach Hildesheim eingeladen. Für den Kurs ist eine Spende von 400 Euro zu entrichten, die nach Einladung durch die Organisatoren vor Beginn des Kurses (bis zum 31. Juli 2016) auf ein (in der Einladung angegebenes) Konto der Universität Hildesheim überwiesen werden müssen. Eine Stipendienvergabe ist leider nicht möglich.

Die Einnahmen kommen nicht den Lehrenden, sondern ausschließlich den jungen Studierenden zugute, die an der Universität Hildesheim Kreatives oder Literarisches Schreiben studieren. Sie dienen u.a. der Förderung von Publikationen des Institutsverlages Edition Paechterhaus. Im Honorar ist weder Übernachtung noch Verpflegung enthalten. Die Teilnehmer_innen müssen sich selbst um eine Unterkunft bemühen, Verpflegung in eigener Regie ist auf dem Campus durch ein Hofcafé und in unmittelbarer Nähe durch einen Landgasthof möglich. Das Institut macht auf Nachfrage gerne Vorschläge für eine günstige Unterkunft nahe dem Veranstaltungsort.

Die Bewerbungen (Texte plus einige knappe Angaben zur Vita) sind per Post oder Mail an das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim, c/o Sekretariat Helga Burgemeister, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim (burgemeister@uni-hildesheim.de) zu richten. Einsendeschluss ist der 15. Juni 2016. Bis zum 15. Juli 2016 werden die für den Kurs ausgewählten Teilnehmer_innen über ihre Teilnahme benachrichtigt und erhalten dann weitere, ausführliche Informationen zur Vorbereitung auf den Kurs.

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„Écriture féminine“ mit Karen Köhler http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-mit-karen-koehler/ http://literaturinstitut-hildesheim.de/ecriture-feminine-mit-karen-koehler/#respond Sun, 01 May 2016 11:02:57 +0000 http://literaturinstitut-hildesheim.de/?p=987451810

Ein Interview von Selina Hillebrand, Marina Müller, Monika Schuster:

Die 1974 in Hamburg geborene Autorin Karen Köhler feierte 2014 ihr Prosadebut mit dem Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“. Der Titel liegt nahe, da sie schon immer Kosmonautin werden wollte. Statt im All findet man sie heute auf Bühnen und hinter Lesepulten. In ihren Erzählungen spielen starke Frauen eine große Rolle, wobei das Spannende daran ist, dass die Geschlechtsdefinition heraus gezögert wird. Auch Umbrüche und das Ausbrechen aus Konventionen werden thematisiert. Die ehemalige Schauspielerin arbeitet nicht nur an Prosa, sondern widmet sich auch dem Schreiben von Theaterstücken. Ihre Stimme trifft eine Frauengeneration, die sich nicht kategorisieren lassen will. In diesem Zusammenhang haben wir sie zum Thema „Écriture féminine – ein weibliches Schreiben“ interviewt.

Sind Sie vor unserer Interview-Anfrage schon einmal mit der Écriture féminine in Berührung gekommen?
Es ist ein Begriff, der mich immer wieder mal umschwirrte. Ich bin auf ihn gestoßen, als ich frustriert war bei meiner Arbeit als Schauspielerin am Theater. Damals hatte ich gerade das Studium abgeschlossen, ich kam von einer sehr experimentierfreudigen, der Performance sehr zugewandten Hochschule und hatte u.a. mit Shakespeares berühmten Kerkermonolog aus „König Richard II.“ mein Diplomvorsprechen gemacht. Als dann ein Intendant beim Vorsprechen sagte, das sei ja nun eine Männerrolle, ob es sein müsse, mit so etwas als Frau vorzusprechen, habe ich geantwortet, dass ich durchaus in der Lage sei, Shakespeares Gedankengang in der Figur Richards nachzuvollziehen, obwohl ich eine Frau sei. Die Dramaturgen lachten, ich wurde genommen und wurde in den ersten Jahren viel mit sogenannten „Hosenrollen“ besetzt, da ich nach Meinung der Dramaturgen eher der burschikose Typ sei. Im Berufsalltag stieß ich dann zunehmend auf die klassischen Frauenrollen, die alle von Männern geschrieben waren und nun oft auch noch von Männern inszeniert wurden. Und in mir war so ein Widerstand gegen dieses Frauenbild. Muss man das heute noch so zeigen? Ich habe versucht, mich in der Darstellung dagegen zu wehren, aber der Text gab oft nichts her, womit ich mich hätte wehren können. Das ärgerte mich. Und ich stieß dann, bei der Suche nach alternativen Sichtweisen zum ersten Mal auf diesen Begriff und den feministischen Blickwinkel in der Literatur.

Halten Sie eine Unterscheidung zwischen „weiblichem“ und „männlichem“ Schreiben für sinnvoll?
In der Metaebene der Analyse sicherlich. Das körperliche Geschlecht ist jedoch nur ein Merkmal, das Autor*innen auszeichnet. Ebenso das gefühlte Geschlecht, aber auch Geburts- und Lebensort, Hautfarbe, Alter usw…
Ich wünsche mir eigentlich, dass in der ersten Rezeption nur die Sprache der Literatur eine Rolle spielt. Eigentlich kann sich jeder, der das hier liest, ja mal vor sein Bücherregal stellen und die Buchrücken überfliegen und alle Bücher von Frauen mal ein Stückchen rausziehen. Ich wette, das Bild, was sich da herauskristallisiert, ist fast bei allen gleich: Sehr wenig Frauenbücher. Sehr viele Männerbücher. Und das ist bemerkenswert. Das ist untersuchungswürdig und benennenswert. Weil da ja was im System nicht stimmen kann, das den Markt hervorbringt, der dieses Leseverhalten erzeugt. Und das Bild, das daraus wieder auf die Gesellschaft zurückfällt.

Was verstehen Sie unter einem weiblichen Schreiben?
Oh. Im besten Sinne: das Ausloten und Aufzeigen der Verhältnisse. Ich denke dabei zum Beispiel an Nino Haratischwilis „Das Achte Leben (für Brilka)“ oder an Miranda Julys „The First Bad Man“, das sind für mich zwei Bücher, die den Titel „weibliches Schreiben“ tragen, und die doch sehr unterschiedlich sind. Ich glaube, wir müssen Frauen sichtbar machen in der Literatur/Kunst/Gesellschaft und ihnen Humor und Schlagfertigkeit zuordnen, sie zu starken Figuren machen, und sie nicht zur Plotdekoration verkommen lassen. Inka Parei! Die Schattenboxerin. Arundati Roy! Der Gott der kleinen Dinge. Chimamanda Ngozi Adichie. Plath… Wir können unsere Geschichte schreiben, aus unserer Perspektive, auf unsere Weise. Und das ist vielleicht verstörender und etwas anderes, als ein durch ein Frauengehirn gequirlter männlicher Blick aufs Weibliche, weil man den eben so eingetrichtert bekommt und quasi dieser Schablone hinterherschreibt, ohne es zu merken.

Würden Sie ihr eigenes Schreiben als „typisch weiblich“ bezeichnen und wenn ja, an welchen Kriterien machen Sie dies fest?
Ich weiß gar nicht, was „typisch weiblich“ sein soll, ehrlich gesagt. Ich möchte, dass es menschlich ist. Und die Themen, die ich wähle, sind hoffentlich für beide Geschlechter interessant. Die in meinem Buch (Wir haben Raketen geangelt) versammelten Erzählungen sind ja eine Auswahl. Ich habe in einigen Texten versucht, den Zeitpunkt der Definition des Geschlechts der Erzählperspektive soweit wie möglich nach hinten zu verschieben oder zu verschlüsseln. Ich wollte aber starke Figuren haben. Figuren, die sich irgendwie der Unbill des Lebens entgegenstemmen.

Finden Sie, dass Männer anders schreiben als Frauen?
Ja. Und eigentlich finde ich das vollkommen okay. Ich muss Houellebecq nicht gut finden. Weil mich das Hauptthema eines sexuell frustrierten Mannes in den 50ern vielleicht nicht so interessiert, das sich durch sein Werk zieht. Oder Henry Miller. Ich kann das aber trotzdem lesen und als eine Position wahrnehmen. In der Literatur bildet sich ja auch nur Gesellschaft ab. Die Rezeption von Literatur hängt ja vom Leser mindestens so stark ab, wie vom Autor.
Es ist im Allgemeinen vielleicht so, dass gesagt wird, Frauen hätten die bessere Technik des Erzählens und Männer die interessanteren Geschichten. Das kam mir manchmal auch schon so vor. Wobei ich nicht weiß, obs daran liegt, dass weniger Frauen überhaupt auf den Buchmarkt kommen. Hm. Mal abgesehen von den Figuren und Inhalten: Vielleicht sind Bücher von Frauen zyklischer, und die von Männern linearer? Obwohl Sibylle Berg ja sehr linear schreibt. Juli Zeh vielleicht auch. Vielleicht stimmt das nicht, was ich gerade gesagt hab. Es war nur eine Idee.
Ich finde es eigentlich gut, wenn das erzählende Geschlecht in den Hintergrund tritt. Wenn ich nicht mehr genau sagen kann, ob das, was ich lese, eine Frau oder ein Mann geschrieben hat. Wenn das Erzählte mich durch Inhalt begeistert und nicht durch Geschlechtersolidarität. Also da lese ich lieber Gegen die Welt als 50 Shades of Grey. Lieber Ágóta Kristof als Houellebecq.
Im Moment erleben wir ja auch eine zunehmend unzureichende Sprache, gerade was Gender angeht oder Intersexualität, wo man aus dem dualitären Bezeichnenden beim Menschen nur über das Kind entkommt, das ein ES sein darf. Da entwickelt sich Gesellschaft schneller als Sprache.

Finden Sie, dass Männer anders promotet werden als Frauen?
Vorsichtig gesagt: Ich vermute, dass bei Frauen das Äußere eine entscheidendere Rolle auf dem Literaturmarkt spielt als bei Männern. Ich vermute, dass Männern in Interviews eher inhaltliche und aufs Werk bezogene Fragen gestellt werden, als Frauen, die oft auch noch zum Privatleben Auskunft geben sollen. Mir sagte vor einem Radiointerview mal eine Moderatorin, sie habe mein Buch gar nicht gelesen, und nur die erste Geschichte überflogen, da werde es in der einstündigen Sendung eben hauptsächlich um mein Privatleben gehen … Das fand ich vollkommen unprofessionell und ich antwortete, ich sei aber da, um über das Buch zu sprechen. Ich meine, da bedient eine Frau irgendwie 1a die Machtmechanismen der Männer. Ich wünschte wirklich, all das wäre längst kein Thema mehr.

Achten Sie beim Buchkauf auf den Autorennamen/ das Geschlecht?
Ja, aber nicht an erster Stelle. Ich achte zunächst auf den Titel, dann auf den Inhalt, die Geschichte. Männer und Frauen nehme ich gleichberechtigt als Autor*innen wahr. Ich bevorzuge nicht ein Geschlecht, sondern das Erzählte, was mein Interesse wecken muss. Wobei mir natürlich klar ist, dass wir in einer von Männern dominierten Welt leben, und das bedeutet eben auch, dass die männliche Perspektive (auch auf Frauen) eben die viel präsentere ist. Männer bewegen sich viel selbstverständlicher in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das spiegelt sich auch in der Literatur wieder. Und wenn man über Literatur spricht, muss man auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse im Blick haben, die Literatur hervorbringt. Da muss man sich nur mal die Präsentationsfläche der Neuerscheinungen in einem Buchladen ansehen und merkt schnell, dass da z.B. in der Belletristik fast nur Autoren liegen. Und dann fragt man sich schon: Kann das sein, dass so wenig Frauen publiziert werden?
Und die Sprache, die eine männliche Perspektive selbstverständlich beinhaltet, ist ja auch so eine Sache. Ich sag nur herrlich und dämlich. Manchmal sage ich ganz bewusst: Ich bin Autor. Das klingt ja voll absurd. So als hätte ich plötzlich einen Penis oder was. Ich mache das, um in diesem Moment etwas zu zeigen: Dann benutze ich eben diese Sprache, die irgendwie unvollständig ist und mich oder meine Perspektive doch ausschließt. Zurück zur Frage. Ähm. Mir ist irgendwann mal aufgefallen, dass ich fast nur männliche zeitgenössische Autoren lese. Da habe ich einen Schreck bekommen, seitdem versuche ich, das zu ändern und bewusster „Frauen“ zu lesen. Wobei ich allerdings mit der sogenannten „Frauenliteratur“ nichts anfangen kann. Das ist dieses Romantikmärchen in tausendundeinem Kostüm. Das ertrag ich nicht. Auch in anderen Unterhaltungsformen nicht. Sex & The City habe ich z.B. auch nicht gesehen, weil ich nicht weiß, was mir diese weiße, amerikanische Mittelschicht mit ihrem Ehrgeiz nach materiellem Luxus und dem „perfekten Mann“ (was auch immer das sein soll) zu sagen hätte. Auch 50 Shades Of Grey habe ich nicht gelesen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht unter einem männlichen Pseudonym zu veröffentlichen? Warum/Warum nicht?
Ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt meine Theaterstücke unter einem männlichen Namen zu veröffentlichen. Zum einen, damit die Schubladen vielleicht länger zu bleiben. Zum anderen, weil ich eigentlich nicht so sehr in der Öffentlichkeit sein mag. Letztlich dachte ich: Ich bin ich und ich hab was zu erzählen und ich bin eben eine Frau. Und das war so, lange bevor es um irgendeine Veröffentlichung geht. Lange, bevor ein Markt ins Spiel kam, wohl aber die digitalen Medien.

Hat bei den Kritiken Ihres Buches „Wir haben Raketen geangelt“ Ihr Geschlecht eine Rolle gespielt? Wenn ja, wurde dies positiv oder negativ ausgelegt?
Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich die Frage nicht beantworten kann, weil ich die Kritiken nicht gelesen habe. Das war ein Schutzreflex, irgendwie.

Was ist ihr Lieblingsbuch/ welche Bücher von Frauen würden Sie uns empfehlen zu lesen?
Let´s start with: Ronja Räubertochter.

Wir bedanken uns herzlich bei Karen Köhler für das Interview.

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